
„So war das nicht gedacht
mit der Freiheit und so, so mit Aus und KO,
so mit der Brüderlichkeit wie bei Abel und Kain,
und die Frau muß gebährn unterm Heiligenschein.“
(Reinhard Lakomy & Monika Ehrhardt)
(...) den medialen Boden mit seinen Alben „DIE LETZTE ÖLUNG“ (2000) und „BEGRÄBNIS“ (2002), den beiden ersten Teilen seiner „intellektuellen Todestrilogie“, wie DER SPIEGEL sie später nannte, geebnet und ihn danach während einer EINS LIVE Radiosendung auch noch kräftig gedüngt.mit der Freiheit und so, so mit Aus und KO,
so mit der Brüderlichkeit wie bei Abel und Kain,
und die Frau muß gebährn unterm Heiligenschein.“
(Reinhard Lakomy & Monika Ehrhardt)
Einer verdutzten Radio-Moderatorin erklärte Charly Davidson 2003, das, was derzeit ständig im deutschen Radio laufe, sei „...kompletter textlicher Müll.“ „Das können sicherlich viele Leute sagen, aber doch nicht Sie, Herr Davidson, mit Ihrem Background und Wissen um die Musikszene in Deutschland. Bands wie DIE ÄRZTE und Xavier Naidou machen doch wirklich ordentliche Texte“, versuchte sie zu beschwichtigen und fügte an, „...oder Samy DeLuxe, den Sie ja gut kennen, der wird manchmal fast schon intellektuell in seinen Botschaften.“ - „Keine Ahnung, worüber Sie reden“, antwortete ihr Charly darauf patzig.„Also, es gibt doch in Deutschland nicht nur Sie, es gibt doch auch gute deutsche Texte von Anderen.“, konterte ihn die Moderatorin. Als sie es kurz darauf auch noch wagte, Charly auf seinen, von der GLOBA nach achtzehn Jahren Zusammenarbeit beendeten Plattenvertrag anzusprechen, verlor dieser vollends die Contenance und das live im Radio.
„Ich hab doch gesagt, dass ich über diese Scheiße nicht sprechen will. Ich will nichts darüber hören, dass literarische Texte meine ‚erste Liebe‘ gewesen sein sollen. Sie würden ja auch nicht zu Bob Dylan sagen, Musik sei seine ‚erste Liebe‘ gewesen, oder?
Das Interview machte im Internet schnell die Runde und die Quittung kam postwendend und zwar nicht nur in Form des ÄRZTE-Songs in dem es weiter hieß „Wärst Du ‘ne Kirchentür, Du hingst voller Thesen, Besserwissermann, Du bist das perfekte Lebewesen.“
Zu anspruchsvollen TV-Interviews lud man Charly nach dessen Wutausbruch bei EINS LIVE nicht mehr ein, wenn es bei kleinen wie großen Festivals darum ging, wer noch auftreten werde und sein Namen fiel, sagten Bands und Interpreten reihenweise ab.
Dafür machte man sich in der Szene lustig über die verzweifelten Versuche der Rocklegende, im Fernsehen doch noch präsent zu sein, indem er sich bei Caroline Reiber oder dem MDR in Fernsehsendungen für ältere Semester begab.In weniger als drei Jahren hatte sich Charly Davidson damit vom Podest der gefeierten Deutschrocklegende und des „Pop-Olympioniken“ in die Ecke des Clowns aus dem „Blauen Engel“ manövriert, mit dem in Deutschland kaum noch jemand etwas zu tun haben wollte, der in der Szene durch war, wie es inzwischen von einer vorgehaltener Hand zur nächsten weitererzählt wurde. Und das Schlimmste daran, was, dass Charly es noch nicht einmal bemerkte (...)
(...) „Glaubst Du, dass er mit dieser Frau schläft?“, wollte Sabi damals von Barbara Prosa wissen. „Hat er zu Helmut mal irgend eine Andeutung darüber gemacht?“ „Nein,“ habe ihr Barbara geantwortet und angefügt „Ich denke, er hätte mir was gesagt, wenn da etwas gewesen wäre.“
Einmal habe Helmut Charly gefragt, ob er Ursula Maus erotisch finden würde und Charly habe ihm geantwortet, dass er sie überhaupt nicht erotisch findet, nur ‚seelrotisch‘, „... also er meinte wohl, 'seine Seele antörnend'“, habe Barbara gesagt. „Was denkst Du darüber?“, habe Sabine Barbara nochmals gefragt.
„Ich denke, ohne Sex ist die beste Beziehung nur eine Freundschaft. Vielleicht eine innige Freundschaft, aber eben nur eine Freundschaft.“, sagte Beate daraufhin und beruhigte Sabi damals wieder etwas.Allerdings hatte Prosa seiner Barbara nicht alles erzählt, hatte das offen zur Schau getragene Händchenhalten von Charly und Uschi verschwiegen und hielt es damals überhaupt für klüger, sich möglichst wenig in Charlys Dinge einzumischen. So steuerte er auch nicht dagegen, als Charly Ende 2003 sein neuestes Album unter dem Titel „WISSEN-SCHAFFT-MACHT“ als Schluss seiner Platten-Trilogie aufnahm, weswegen Charly und Uschi anschließend wohl die Einzigen waren, die es wunderte, dass das Anfang 2004 beim neuen CBQ-Label erschienene Album noch nicht einmal eine Platzierung unter den Deutschen Top50 verbuchen (...)
(...) der Österreicher, der nun schon seit knapp zwei Jahrzehnten mit Charly Davidson zusammenarbeitete, war mit dem Ergebnis von „WISSEN-SCHAFFT-MACHT“, mehr jedoch mit den Früchten der letzten Jahre, äußerst unzufrieden, was er Charly nun ohne Umschweife vorhielt.
„Ich sagte ihm: 'Wie kann man in nur fünf Jahren alles beschädigen, was man sich in zwei Jahrzehnten zuvor aufgebaut hat. Wenn das Album wenigstens ein Elektro-Musik-Album geworden wäre, dann wäre es vielleicht noch zu vermarkten gewesen. So wurde es eine Art Therapie-Platte in dem Sinne, dass er das Studio hier als seine Spielwiese benutzt hat. Alles war möglich bei 'WISSEN-SCHAFFT-MACHT'
- nur der Zeitrahmen, den wir uns selber gesetzt hatten, war die Grenze. Brainstorming, Ideen sammeln, ausführen, abhaken. Im Grunde ist das Album ja gar nicht so schlecht, im Nachinein betrachtet eigentlich ideal für ein Independent-Label wie CBQ. Klar kann ich mir heute die ganze Platte auch mehrfach anhören, aber 'kommerziell' ist anders.“Vor allem machte Helmut Charly klar, dass dessen fahrlässiger Umgang mit Fans, Medien und die unfassbare politische Schnittmenge von ChD zusammen mit der Erweiterung seiner künstlerischer Interessen, viel zu viel war, um ein klares und erkennbares Künstlerbild zu kreieren, das, so hielt ihm Prosa vor, notwendig sei und wieder erfolgreiche Platten zu machen.
Charly hörte sich die Argumente seines Partners in Ruhe an, bat sich Bedenkzeit aus, flog mit Sabine nach Ägypten in den Silberhochzeits-Urlaub...und kündigte dann Ende Mai 2004 seinen Vertrag mit Helmut
und den anderen Mitgliedern der BEGLEITUNG III fristlos, war nun in allen Dingen frei. Jedenfalls in fast allen, denn es war zu erahnen, was dieser Entwicklung noch folgen sollte.Über diese Zeit schrieb Charly - selbstverständlich mit dem Segen seiner neuen Herzdame Uschi - das Radio-Hörstück „SELTSAM: Wie ich lernte, mich nicht mehr zu verstehen“, in dem er zwar nicht direkt auf die Zäsur in seinem künstlerischen Leben einging, denn Charly beschrieb darin die Geschichte seiner Trennung von Lukas Linde 1984. Aber jeder Eingeweihte las zwischen den Zeilen alles Wichtige heraus.
"Sukiyaki" hieß in diesem Hörspiel Charlys Abschiedssong an seinen langjährigen Partner und die anderen Mitstreiter der bisherigen Begleitung. "Sukiyaki", das japanische Eintopf-Gericht für die kalten Tage. Und die kamen nun unweigerlich auf Charly Davidson zu, denn möglicherweise hatte er mit seiner Vergangenheit abgeschlossen, aber die Vergangenheit nicht mit ihm.
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