
„Moments decide
Moments delight
Moments in flight
Talk about sending love“
(Jon Anderson)
Moments delight
Moments in flight
Talk about sending love“
(Jon Anderson)
(...) Es war ein mir unbekannter Notar aus Nürtingen, der mich telefonisch bat, kurzfristig zu erklären, ob ich bereit und Willens sei, ein Vermächtnis von Herrn Karl David Korff anzunehmen. Auf meine überraschte Rückfrage, was er mit meine mit „Vermächtnis“, sagte mir Dr. Schimmel, dass es zwar keine testamentarische Verfügung von Herrn Korff gäbe, Charly habe jedoch etwa eineinhalb Monate vor seinem Unfalltod bei ihm einen Umschlag notariell versiegeln lassen, ber dessen Inhalt er nichts wisse, der aber, im Falle, dass Herrn Korff irgend wann einmal etwas zustoßen sollte, mir persönlich zu übergeben sei. (...) In dem braunen Umschlag befanden sich neben dem Bon unter anderem zwei USB-Sticks. Auf einen hatte Charly das Wort „Apfelfass“
geschrieben (wobei ich dabei sofort an Jim Hawkins und die „Schatzinsel“ denken musste), der andere, er war etwas kleiner, trug den Vermerk „Nummer 2“, wobei Charly auf die ihm eigene Art die '2' wie ein 'Z' geschrieben hatte. Unzweifelhaft schienen hierauf Botschaften von Charly an mich zu sein. Ich war also gespannt.Nachdem ich ihn den „Apfelfass“-Stick in meinen Laptop gesteckt hatte, offenbarte mir dieser unter dem Pfadnamen „Ariel“ und beginnend ab Juni 2000 mehrere E-Mail Ordner, die auf den ersten Blick Unmengen an „charts@charlydavidson“ E-Mails zu enthalten schienen, sowohl Postein- wie auch Postausgang. Da ich an diesem Tag aber keine Zeit hatte, mir das GAnze in Ruhe anzusehen, zog ich das „Apfelfass“ umgehend wieder aus meinem Laptop heraus und steckte statt dessen Stick „Nummer Z“ in den USB-Anschluss ein. Auf „Nummer Z“ waren offensichtlich viele Fotos zu finden, darunter, so erkannte ich schnell, wohl auch Fotos von Schriftstücken
und persönlichen Unterlagen Charlys, auf die ich(...)(...) begann ich im Laufe der Nacht, die bis zum frühen Morgen dauern sollte, nach und nach zu verstehen. Denn im „Apfelfass“ befanden sich unter anderem die nachfolgenden E-Mails:
Von: ursula-maus@tkun.de / An: charts@charlydavidson.com
Betreff: Angst vor Er- Kenntnis? / Datum: Sonntag, 11. Juni 2000 - 18:26:11
Hallo Herr Davidson! | Im Tal der Er- Kenntnis verhüllt von Christo zu scheinen, ist den Zweck los: Wer sehen kann, sieht keinen Überflieger! | Sonntagsgrüße Ursula Maus | Zugabe für elektrische Geschichtenerzähler und Fortsetzung eines möglichen Märchens ... Es war einmal oder war es ein kleines Mal (?) als Gott so sprach: ALLES ZU SEINER ZEIT. Wen aber sprach er an? Und zu welcher Zeit? Überhaupt bin ich froh, daß sich über`m Haupt nur Wolken des Alpwachens türmen, sonst müßte ich noch über sie gehen! - Was will uns das sagen?
Von: charts@charlydavidson.com / An: ursula-maus@tkun.de
Betreff: Alles zu seiner Zeit / Datum: Montag, 12. Juni 2000 - 08:36:06
Hallo Frau Maus, nochmals Danke für das Buch. Als ich die E-Mail erhielt, wußte ich gleich von wem allein sie gekommen sein wird. Ihr Trainingsangebot an mich war ungewohnt und mutig zugleich. Aber warum kommen Sie mir gleich mit Rätseln über Gott? Gekreuzigt werden wir schließlich doch alle einmal, der eine früher, die andere später ... auch wenn natürlich keiner so leiden musste wie er. Außer vielleicht ein gewisser Zimmermann, über dessen Midlife-Crisis wir allerdings so gut wie nichts wissen. | Übrigens: Von wg. "Herr Davidson" ... wenn schon, dann Herr-Gott oder Herr-Ausgeber. Das wäre ehrlich-Er. Wer viel gegeben hat, der wird auch viel zurück bekommen ... denke ich! | MfG Charly Davidson | Nachtrag: "Alpwachens" ist nur halp richtig.
Von: ursula-maus@tkun.de / An: charts@charlydavidson.com
Betreff: Angst vor Er- Kenntnis? / Datum: Dienstag, 13. Juni 2000 - 19:14:05
Hallo Charly, | "Alpwachen" von "Alpträumen" ist nur "halp" richtig, wenn man neu deutsch rechtschreibt - da ich mir von der deutschen Sprache nur "halp" mächtigen Politikern nicht gern in‘s Handwerkszeug oder besser in‘s Schreibzeug pfuschen lasse, bin ich neu- deutsch- recht- schreib- renitent! Sie wissen doch: Alle Gekreuzigten verkreuzen gern die Arme in abwartender Haltung, um dem Einsatz zu entgehen. Da braucht Mann schon eine Machete, sonst sind die selbst angelegten Fesseln zurückhaltender, als ihm lieb ist. | Uschi (... und hier die 2. Zugabe für den elektrischen Geschichtenerzähler, für den eklektischen brauche ich noch Denk- Zeit) | Also sprach Gott: „Ich finde nur den Monolog in der Schwerkraft, die mich als Stein auf dem Boden hält, der unter meinen Füßen bebt.“
Von: charts@charlydavidson.com / An: ursula-maus@tkun.de
Betreff: Matt-Scheidende Orakel / Datum: Donnerstag, 15. Juni 2000 - 10:16:09
Liebe Uschi, | Du schriebst (ich darf uns doch das Du anbieten, oder?) “Was macht der Geschichtenerzähler in seiner elfenbeinernen Seifenblase, wenn der mattscheibene Bildschirm platzt und das Leben über ihn hereinbricht? Bricht er dann zusammen? Oder rennt er weg? Oder ...?” | a) elfenbeinerne Seifenblasen (ich verstehe es wohl - “Étre Dieux”, um es mit Salvador Dalis Worten zu sagen) wie sollten die wohl aussehen? - Ist wohl als metaphysische Metapher gemeint, oder? | b) Die sinngemäße Interpretation eines Bildschirms ist es Bilder zu beschirmen, de facto also zu schützen. Insofern ist jeder Bilderrahmen also auch ein Bildschirm. Wortgetreu jedoch wirft der Bildschirm Bilder (in der Regel bewegte) auf einen Schirm anstelle einer Leinwand, weswegen er bei Ausbleiben der Bilder auch gerne - wie von Dir - als Mattscheibe bezeichnet wird. Definiert man die Mattscheibe jedoch als Matt-Scheide, sozusagen als geeignetes Mittel um Dinge zu trennen so braucht der Geschichtenerzähler nicht zusammenzu- oder sonst irgendwie zu brechen. | Ihr ergebener Karl David Korff
Von: ursula-maus@tkun.de / An: charts@charlydavidson.com
Betreff: Er- Kenntnis- Praktikant an Er- Klärer / Datum: Donnerstag, 15. Juni 2000 - 21:52:28
Guten Abend Karl David Korff, | was ich an Männern immer wieder erstaunlich finde, ist die Ausdauer, mit der sie etwas erklären, was Frau längst weiß, oder zumindest ahnt. Im scheinbaren Gegensatz zu logischen Erklärern schätze ich besonders die Vielschichtigkeit ( kommt von Denk- Schichten ), in Deinen Texten - ich mag Sprache, die mehrere Deutungen ermöglicht und dem oder der Lesenden nicht nur den Geradeaus- Pfeil zeigt. Ansonsten aber bestätige ich Dir, daß der Praktikant langsam zu Hochform aufläuft. Offensichtlich bilden Medien doch, wenn sie nicht gerade als Gehirnvernichtungsmaschine im Einsatz sind. | Dein praktischer Satz über die Praxis ist praktisch kaum noch zu praktizieren, aber praktisch im praktischen Praxis- Einsatz. Übrigens: Gott schütze die Königin und uns davor, daß irgendjemand oder irgendetwas, sei es auch ein Orakel, jemals die Wahrheit findet. Oder, um André Gide zu zitieren, „Glaubt denen, die die Wahrheit suchen. Zweifelt an denen, die sie finden!“ | In so ferner Nähe: Um Gottes Willen, lieber Wahrheitssucher als Wahrheitsprediger! Grüße von denkender Uschi | Anmerkung: Zum Er- Kenntnis- Praktikum fehlt dem Praktikanten noch die Erkenntnis, daß ChD von "Katastrofen" vermutlich so viel hält wie von "Filosofie"!

Fast zwei Dutzend E-Mails* schrieben sich Ursula und Charly bzw. Karl David und Uschi zwischen dem 11. und dem 28. Juni 2000, wurden dabei zu Alter Egos, ohne dass hiervon in Jena oder Berlin irgendjemand etwas ahnte: ein Gedankenspiel. Viel mehr sollte es aus Charlys Sicht wohl nicht werden, denn er hatte ohnehin nur bis Ende Juni Zeit für solche Spiele. Dann waren die Proben für die Konzerte in Frankfurt und Hannover beendet und damit hatte er wieder weniger Zeit zum E-Mail-Kontaktieren. Doch so lange, also bis zum 28. Juni, brauchte Uschi gar nicht, um Charly, diese angebliche so harte Nuss, zu knacken.
Mit „Ihr ergebener Karl David Korff“ endete seine E-Mail vom 15. Juni und das war es wohl gewesen, was Ursula Maus erreichen wollte: Charlys Interesse an ihr war nun klar und deutlich und Phase zwei ihres Projektes (das Charly später „Ariel“ getauft hatte, nach dem Luftgeist aus Shakespears Werk „Der Sturm“) konnte beginnen.
Nur wenige Wochen nach dem Buchgeschenk und viel früher als sie es hatte erwarten dürfen, setzte Ursula Maus bereits zum Fangschuss auf Charlys Seele an, ganz so wie Kapitän Ahab auf der Jagd nach dem weißen Wal.
Von: ursula-maus@tkun.de / An: charts@charlydavidson.com
Betreff: Para- glider- digma / Datum: Mittwoch, der 28. Juni 2000 - 18:51:55
Hallo Karl David, | ich bin weder Dir noch mir böse, daß Du jetzt weniger Zeit zum Kontaktieren hast! Vielleicht ist das Wort "Höhenflüge" ein vermessener Ausdruck, aber Du wirst zugeben müssen (hoffe ich), daß unsere Art mit Sprache umzugehen, in diesem Land nicht sonderlich alltäglich oder weit verbreitet ist. Versuch' mal, einige dieser Sentenzen im alltäglichen Gebrauch zu testen und Du wirst eine Reihe von "Bahnhof- Verstehern" treffen! | Da ich täglich damit arbeite, mich verständlich auszudrücken - so verständlich, daß mich Menschen auf z. T. sehr unterschiedlichen Sprach-Ebenen auch verstehen können -, werde ich mich schwer hüten, die von uns virtuell benutzte Sprache zu meiner arbeits- alltäglichen zu machen. Insofern sind unsere Unterhaltungen für mich "Höhenflüge", die es mir gestatten, mich auf einer Höheren als der Alltags- Ebene auszudrücken und im übrigen slche die ich sehr genieße. Unbestritten hast Du damit recht, daß ChDs Höhenflüge auch tatsächliche sind. In diesem Para- glider- digma ist es wohl vermessen, dieses Wort "Höhenflüge" für unser virtuelles Spiel zu verwenden. | Also mein Vorschlag: Betrachten wir unsere schriftlichen Unterhaltungen als "Ausflüge auf mittlerer Höhe"! Was denkst Du? - Botho Strauß bringt es für mich auf den Punkt: "...man hält sich fast nur noch hinter dem Licht auf, wohin jede zweite Mitteilung einen führt." | In diesem Sinne eine echte Uschi- Erkenntnis: Die Rechtschreibreform ist der Versuch zu verbergen, daß Deutschland nicht mehr in der Lage ist, die Kinder lesen und schreiben zu lehren. | Verstehende Grüße Uschi
Von: charts@charlydavidson.com / An: ursula-maus@tkun.de
Betreff: Die Zeit heilt alle Wunder / Datum: Donnerstag, 29. Juni 2000 - 10:07:13
Hallo U, zum Zeit-Geist gehört der Anspruch immer Neues zu kreieren. Und je mehr die Zeit fortschreitet, desto älter wird das Neue. Ein gutes Beispiel ist NEUE MUSIK, die es schon seit etwa 80 Jahren gibt und die natürlich jeden Tag älter wird. Auch die neuen Wellen sind schon bald veraltet wie Frisuren und selbst wenn sie wie Frisuren wieder kommen, werden sie dadurch nicht neu sondern höchsten aktuell. - Hier bringt einen der Zeitgeist in Schwierigkeiten. | Jetzt ernsthaft: Deine Beschreibung “Ausflüge auf mittlerer Höhe!” ist akzeptabel, wobei immer die Möglichkeit besteht a) abzustürzen oder b) eine Luftströmung zu erwischen, die einen weiter nach oben trägt. Die Gedanken, welche Du Dir bezüglich der Rehe machst, können außerordentlich weitreichend sein und solche Gedanken gebe ich gerne an Charly D. weiter. --- (Deine Floskelung, ChD wäre die Abkürzung für „Crash-hass-Dummi“ ist eine Frechheit - lass Dir das mal gesagt sein). |Gott weis: Natürlich spielen auch Frauen Rollen! Die Seifenblasen platzen aber nicht nur bei Macho-Sprüchen sondern auch, wenn mann zu viel Zeit in seine Arbeit investiert, womöglich oft unterwegs ist und frau dann noch Fünfe gerade sein lässt. | Soviel zum Zeit-Geist für heute von Charly | ... und übrigens: Wunderkinder von heute sind die Wind-Erkunder von morgen!Ich merkte es sofort, Uschis Fangschuss hatte sein Ziel erreicht: Zum ersten Mal hatte Karl David Korff sich ihr als „Charly“ offenbart.
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* = Wer es möchte, der kann sämtliche E-Mails der USB-Sticks aus dem braunen Umschlag auf dieser Webseite ausführlich nachlesen.
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