Leidenschaft nicht noch Verstand.
Daß ein gutes Deutschland blühe,
Wie ein andres gutes Land“
Daß ein gutes Deutschland blühe,
Wie ein andres gutes Land“
(Bertolt Brecht)
Zum Beginn der B-Seite der Rocklegende Charly Davidson, seiner anderen, dunklen Seite, führen wir die Nadel des Tonabnehmers erneut auf eine Insel im Atlantischen Ozean. Dieses Mal ist es aber kein vereinigtes Königreich sondern eine wirkliche Insel,
200 Seemeilen westlich von Afrika, und die gehört seit Menschengedenken zum Herrschaftsgebiet des spanischen Königs: La Gomera.La Gomera ist eine der eher weniger bekannten Kanarischen Inseln, hatte Charly erklärt, als er mir gegenüber zum ersten Mal von „LaGo“ - wie er die Insel liebevoll nannte - schwärmte. Auf ihr hatte er sich dank eines Tipps von Lars Voreigner an seinem 40. Geburtstag eine kleine, preiswerte Macià gekauft, deren Haupthaus er wegen des unverbauten Atlantik-Blicks „The New Admiral Benbow“ taufte.
Auf LaGo machten Charly, seine Familie und die Mitglieder des „Davidson Clans“ fortan Spontanurlaube. Ich selbst bin drei Mal auf Charlys kleinem Anwesen zu Gast gewesen und auch der alte „White Boy“ Lars kam gerne mal für ein, zwei Wochen (...)
(...) waren Charlys Anwesen in Steinheim, die „JenaFarm“ und seine kleine Macià auf La Gomera mehrmals Opfer von Räubern und Einbrechern geworden, wobei glücklicherweise, bis auf ein bis heute verschwundenes ELP-Cover-Unikat von HR Giger, kaum etwas Wertvolles abhanden kam.Aber die Sammel-Leidenschaft war ja nur eine der Besonderheiten des Privatmannes Davidson/Korff; seine Liebe zum Gleitschirm-Flug war die andere. Immer wenn Charly auf LaGo war, war auch sein Gleitschirm mit dabei. Gleitschirmfliegen war zu Charly Davidsons großen Leidenschaft geworden, nachdem ihn Anfang der 90er Jahre Falco (mit dem Helmut Prosa ja schon länger bekannt war als mit Charly, spielte er doch u.a. die Gitarre bei „Maschine brennt“) darauf gebracht hatte - Falco war, was nur wenige wissen, ein ausgesprochen guter Drachenflieger.
Die beiden Flugscheine machte Charly übrigens im Herbst 1994 während seiner Auszeit nach „MASSENKAMPF“ (...)
(...) GLOBA Deutschland bot an, den seit 1985 aktiven Vertrag mit Charly noch einmal weitere fünf Jahre bis Ende 2002 laufen zu lassen und ihm dabei sogar größere künstlerische Freiheiten einzuräumen als bisher. Er und Helmut besprachen den Deal, entschieden sich zur Verlängerung der Zusammenarbeit mit GLOBA und somit waren alle Beteiligte hochzufrieden.
Im Schnelldurchlauf formierten Charly und Helmut daraufhin die BEGLEITUNG IV neu mit Bassist Peter Nasic, Keyboarder Jean-Jacques Cornet und Schlagzeuger Michael Mehlhorn alias 'Mike Drums'. In dieser Formation entstand im November 1997 Charly Davidsons Album „INKAR-NATION“, eine Reise durch die Deutsche Geschichte. Die Platte - seine letzte, die sowohl als CD als auch auf Vinyl veröffentlicht wurde - erreichte im Dezember auf Anhieb Position 9 in den deutschen Album-Charts und damit stellte Charly Davidson einen 15-Jahres Rekord auf, der selbst von Herbert Grönemeyer und Peter Maffay nicht gebrochen werden konnte: mit seinen Produktionen „ZEICHENSPRACHE“, „V.U.T.A.“, „LICHTBLICKE“, „VIEL SPASS“, „ODYSSEUS“, „SCHLANGENBESCHWERER“ und „INKAR-NATION“ hatten es seit 1982 sage und schreibe sieben seiner Longplayer in die Deutschen Top-10 geschafft! (...)
(...) Sommer 1999 besuchte Charly dann zum letzten Mal Mike Oldfield in dessen 'Througham Slad Manor' in Gloucestershire: kurz danach siedelte Oldfield nach Ibiza über. Man redete über dies und das und während Mike sich eine seiner legendär schmalen 'Old Holburn'-Zigaretten rollte, erwähnte er auch seinen Plan für ein ganz besonderes Konzert zum Jahresende. „It’s the birth of a new millenium.“ sagte Mike, aber Charly korrigierte ihn und erklärte, weshalb das neue Jahrtausend erst am 1. Januar 2001 beginnt. „That doesn’t matter“, rief Mike und sagte Charly unmissverständlich: „I do it at the end of this Year“.Dann berichtete er seinem Gast aus Deutschland, dass sich London seiner Idee nicht besonders aufgeschlossen gegenüber zeige, er es sich dieses Event aber überall auf der Welt vorstellen könne, in London genau so wie in Neu Seeland. Charly lächelte mit einem Mal und erzählte Mike davon, dass sein Tour-Manager Raik Niedermacher zum Jahreswechsel in Berlin zusammen mit drei Freunden, Gert Hof, Achim Perleberg und Anja Preuß, unter dem Titel „Art In Heaven“
die größte Lightshow der Welt planen würde und hierfür noch auf der Suche nach einem großen internationalen Act sei. Einige Sekunden lang sagte der große Mike Oldfield nichts. Das Wippen seines rechten Beines verriet aber, dass es in in seinem Kopf gerade eine Achterbahnfahrt an Gedanken gab. „Art In Heaven?“, fragte er Charlys. Der nickte ihm zu. „Oh my gosh!“, sagte Mike.Oft wurde Oldfield später gefragt, warum er in Berlin am 31. Dezember 2000 dieses Konzert mit dem größten Licht-Event der Welt gab. Seine Antwort darauf war stets, dass er nicht auf Berlin, sondern Berlin auf ihn zugekommen sei, was einer „guten Fee“ zu verdanken gewesen sei. Wer diese Fee gewesen sei, verriet er jedoch nicht. Jedenfalls war sein Management schnell mit der Bundeshauptstadt einig geworden und dann verzauberten tatsächlich in dieser extrem kalten Nacht 250 riesige Xenon-Edelgas-Scheinwerferkanonen, 550 Speziallampen und 12 Leuchtballons den Himmel über Berlin, illumierten ihn und das im Takt von Oldfiels Musik. Mehr als eine halbe Million Zuschauer erlebten dieses Spektakel der Superlative rund um die Siegessäule hautnah mit, unter ihnen auch Charly, der Mike auch Backstage traf (...)
(...) machte Charly Davidson keinen Hehl aus seiner Sympathie für den Multiinstrumentalisten. So hatte Charly einmal in der NDR-Talkshow „3nach9“ gesagt, Sänger von Liebesliedern seien potentielle Lügner, worauf ein Gast aus der Runde, ebenfalls Sänger und Brillenträger und Rockpoet wie Charly, heftig protesteierte. Charly blieb unbeeindruckt und erklärte ihm, dass die direkte Ansprache des Hörers durch das betreffende Liebeslied durchaus Missverständnisse auslösen und den Sänger in größte Probleme bringen könne. Ihm sei das schon einige Male so ergangen, ergänzte er und natürlich wollte die „3nach9“-Moderatorin da natürlich Genaueres wissen, was Charly aber mit der Bemerkung „Keine Details“ konterte un die irisch-gälische Redewendung „ta me an amadán“ anfügte - ein Zitat aus dem Song „Ommadawn“ von Mike Oldfield.Nun wirft man irisch-gälische Redewendungen nicht so einfach in die Gegend, denn ein alter keltischer Glaube besagt, dass sie einen irgendwann einmal wieder besuchen werden: „Du magst zwar mit deiner Vergangenheit abgeschlossen haben, aber sie noch lange nicht mit dir“. Charly hätte es also wissen können, doch er ahnte nichts. Also nahm „ta me an amadán“ / „Ich bin der Narr“ seinen Lauf.

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