„Über den Wolken muß die Freiheit wohl grenzenlos sein.“(Reinhard Mey)
1995 konnte es keiner mehr übersehen. So versiert Charly Davidson wirklich alles, was er machte (oder eben nicht machte) erklären konnte: er steckte in seiner bis dahin größten künstlerischen wie privaten Krise. Sie hatte sich in das Leben der Rocklegende eingeschlichen wie eine giftge Schlange und verbreitete darin nun Angst und Schrecken. Charlys Nerven langen blank, Existenzängste quälten in, lähmende Fragen füllten seinen Schädel. Würde er mit dem nächsten Album untergehen? Kann er vielleicht nie mehr an seine Erfolge anknüpfen? Würden seine Fans ihm das bei Thomas Gottschalk angekündigte Karriereende und die anchließende Rolle rückwärts vergeben? Und schließlich: Konnte er seine Ehe noch retten? Würde es da etwas bringen, Sabine die drei, vier Affären zu beichten, die er regelmäßig während seiner Tourneen hatte? Oder konnte gerade das Verschweigen etwas retten? Charly war in einem Dilemma, selbst sein Nachbrenner schien ausgebrannt zu (...)
(...) Aufnahmesessions für das „Comebackalbum“, wie es im MUSIKEXPRESS SOUNDS tituliert wurde, starteten im November 1995 und dauerten bis Anfang Februar 1996. Helmut Prosa wollte von einem Comeback nichts hören, nannte das Album aber schon einmal flapsig "die Therapieplatte".
Und das neue Album enthielt tatsächlich Elemente einer Selbstreinigung. Mit der „SATORI TRILOGY“, einer Art Mini-Oper über einen Sänger, der verzweifelt den Erfolg sucht (inkl. der Hymne „Ich-Falle“), sowie den hitverdächtigen Songs „Egal woher, egal wohin“ und „Schlangenbeschwerer“ (dem späteren Album-Titelsong), brachte Charly eine solide Basis in das Album ein. Helmut schrieb hervorragende Rock 'n' Roll Nummern mit „Haus No. 9“, „Schwere Nöter“ und „Im Fahrstuhl“, Lars steuerte seinen Song „Dance Until Tomorrow“ bei, den Charly in „Tanz unter Teufeln“ umtextete. Schnell waren zwölf wunderbare Songs fertig, die Charly wieder in die Erfolgsspur bringen konnten, wie auch die GLOBA nach dem Durchhören des Demobandes zufrieden feststellte.Charly war es in seiner gesamten Karriere niemals vergönnt gewesen, einen Nr. 1-Hit zu haben, aber mit „SCHLANGENBESCHWERER“ gelang sowohl Position Zwei in den Albumcharts als auch eine Nummer Zwei bei den Singles. Letzteres allerdings auch nur, weil Helmut kurz nach dem Abschluss der Album-Produktion während eines Elternabends die Songidee zum Titel „Überflieger“ eingefallen war, der zu Charly Davidsons größtem Musikerfolg wurde. (...)
(...) sein Gespür für Schnee ausgezahlt, hatte ihn seine gute Nase nicht enttäuscht. Und Charly Davidson fand, nun wäre es an der Zeit, beide zusammenzuführen. Er ging ins Büro, öffnete die mittlere Schublade seines Schreibtisches, holte die Geburtstagskarte hervor, die es von guten Freunden bekommen hatte, entnahm ihr die kleine Tüte und öffnete sie ganz langsam.
Zweimal holte Charly tief Luft. Dann hielt er sich die Nase zu, blies danach, als es innen zu brennen begann, kurz die Nasenflügel aus. Schließlich lehnte er sich langsam auf seiner Studiocouch zurück und genoss das wohlige Gefühl der Wärme, das sich durch seine Adern verbreitete, sich den Weg durch den ganzen Körper bahnte, an seinem Herz ankam und nur Bruchteile später in seinem Hirn. Es beherrschte ihn nun ein Gefühl der Sättigung und der absoluten Wachheit.
Charly war klar: Besser als jetzt konnte es wirklich nicht laufen.Nachdem er zwei, drei Minuten einfach nur geträumt hatte, erhob er sich, ging zum KURZWEIL 250, schaltete ihn ein, ließ sich dann auf die Sitzbank fallen und legte seine Hände auf die Tasten des Compuerkeyboards. Es war seltsam, wie Charly binnen weniger Momente Herr über alles Lebendige und Gegenständliche geworden war. Und dieses Gefühl beanspruchte nun seinen ganzen Körper für sich.
Langsam begann er auf dem „Grand Piano“ die wenigen Akkorde von „Ich-Falle“ zu spielen und schließlich sang er dazu:
„Ich bin durch den Wind
Naseweiß wie ein Findelkind
Das Hirn bibelschwarz und sternenklar
Ich-Falle
Die Zunge gebunden an den Verstand
Krämpfe führen die ruhige Hand
Der Kopf voller Ideen steckt im Sand
Ich-Falle, Ich-Falle, Ich-Falle
Niemand fragt sich wo ich bin
Niemand folgt meinem sechsten Sinn
Niemand findet meinen Hauptgewinn
Einfältige Dreifaltigkeit
Ich bin durch den Wind
Naseweiß wie ein Findelkind
Das Hirn bibelschwarz und sternenklar
Ich-Falle, Ich-Falle ...
Ich falle auf“
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