Donnerstag, 14. Oktober 2010

A-SEITE / Song 12: Glück ohne Ende

„We’re gonne give you Pictures at an Exhibition”
(Keith Emerson)

(...) Am 28. Januar 1986 erschien (...) „LICHTBLICK“ und machte Charly mit einem Schlag zum GLOBA Star. Im Sommer 1985 produziert von Ronny Punk in dessen Studio in Weilerswist, hatte Charly für die Aufnahmen eine neue BEGLEITUNG gefunden, bestehend aus Gitarrist und Songwriter Helmut Prosa, Keyboarder Robert Fischer und Bassist Martin Latham. Der langjährige Bassmann Michael Bock war aus Solidarität mit Lukas Linde aus der BEGLEITUNG ausgestiegen, während Axel sie im Einvernehmen mit Charly verlassen hatte, um sich seiner eigenen Band RENTRYD zu widmen, deren erstes Album zu produzieren Charly ihm versprochen hatte. So war mit Drummer Barny Hirschmann nur noch ein einziges Mitglied der alten BEGLEITUNG weiterhin mit an Bord.

Vor allem die Helmut Prosa Kompositionen „Keiner liebt Dich, wieso ich“, „Alle auf einen“ und Charlys Ballade „Lichtjahre“ führten dazu, dass das Album im Februar 1986 unter die Top-3 der deutschen Album-Verkaufscharts kam. Weihnachten '85 war schon „Keiner liebt Dich, wieso ich? (B-Seite: Niemand weint so schön wie Du)“ ausgekoppelt worden und hatte zum Jahreswechsel 1985/86 Platz 3 der Single-Charts erreicht. Im Frühjahr folgte dann „Alle auf einen / Gespenster gibt’s doch nicht“, das zum Top-5 Hit wurde und „Lichtjahre / Richtung Sonnenuntergang“ kam im Sommer 1986 bis auf Platz 6 der deutschen Single-Charts.

Innerhalb von wenigen Monaten wurde Charly Davidson damit zu einer Gelddruckmaschine für die GLOBA (...)

(...) bekam zudem von der GLOBA eine Vertragsverlängerung angeboten, dieses Mal um ganze fünf Jahre, denn die Plagiatsklage hatte für seine Plattenfirma eines noch klarer gemacht: „Charly Davidson scheint ein Musiker mit beinahe unbegrenztem Talent zu sein“ - so jedenfalls schriftlich festgehalten in einem firmeninternen Memo aus dem Jahr 1987.


Als erstes kauften sich Charly und Sabi einen etwas baufälligen ehemaligen Bauernhof in der Nähe von Hanau-Steinheim, der dank großzügiger steuerlicher Abschreibungs-Möglichkeiten zu einem Tonstudio umgebaut wurde. (...) In „Charly’s Studio“ ließen sich Charly, Helmut und der Rest der BEGLEITUNG II viel Zeit um nach der „Lichtblicke“-Tour im Sommer 1986 an einem neuen Album zu basteln, das künstlerisch wesentlich anspruchsvoller als sein Vorgänger sein sollte. Als Motto zur neuen Platte hatte Charly außer einem Zitat von Winston Churchill zusätzlich eines von Voltaire gewählt, welches das neue Album namens „SO! ZUSAGEN“ folgendermaßen erklärte: „Das Geheimnis zu langweilen besteht darin, alles zu sagen.“ (...)

Aufgrund der Produktionsumstellung war „SO! ZUSAGEN“ dann erst im Oktober 1987 erschienen, aber sogar die ungeduldige GLOBA fand, dass dieses Album hohen Ansprüchen stand hielt. Zudem kam das Album bis auf Platz 16 der Charts, Charly wurde endlich wieder von den Kritikern gepriesen und nach fünf Jahren im großen Musikgeschäft mit dem Schallplattenpreis der Nachwuchsakademie München sowie anderen Medienpreisen ausgezeichnet. Lob gab es vor allem für seinen Titel „Der Himmel über der Bahnhofstreppe“, der eine musikalische Verbeugung vor der Schluss-Sequenz aus Heinrich Bölls „Ansichten eines Clowns“ darstellte.

Ebenfalls in den Charts äußerst erfolgreich war Charlys bereits im Juli erschienene Single-Auskopplung „Sphärenrausch“, seine Referenz an den ersten Weltraumflug eines Deutschen, der sich 1988 zum zehnten Mal jähren sollte. Den „Sphärenrausch“ von Sigmund Jähn - nach der Melodie von David Bowies „Space Oddity“ - mochte auch die Führung der DDR und packte ihn sofort, zusammen mit drei weiteren Davidson-Songs, auf eine Vierer-Single, die im Sommer 1987 in den deutsch-demokratischen Radiocharts zwischen Alhbeck und Karl-Marx-Stadt hoch platziert war und bei vielen DDR-Bürgern, angesichts der von Gorbatschow angekündigten Perestroika und der Landung von Mathias Rust auf dem Roten Platz in Moskau, zu Gedankenflügen führte. Als im September 1987 Erich Honecker als erster DDR-Staatschef die Bundesrepublik Deutschland besuchte, gab es deshalb für ihn, neben einer Lederjacke von Udo Lindenberg, auch ein weiteres Präsent. Aus der Hand von Charly Davidson erhielt er (...)

(...) eine Einladung nach London an den 11. Earl of Barqin, ihn doch einmal zu besuchen und sich das neue Equipment anzusehen. Die Einladung kam nicht von ungefähr. Charly wusste, dass diesem im Frühjahr 1988 anlässlich der Musikmesse Frankfurt aufgrund seiner Leistungen in Interpretation und Komposition, Musikwissenschaft und Lehre der „Internationale Musikpreis“ der Messe Frankfurt verliehen werden sollte. Was Davidson nicht wusste und schon gar nicht plante, war, dass dieser Besuch sein Leben für immer verändern sollte.

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