(...) spielte bei der Wahl der von ihm dabei favorisierten Musikrichtungen die neueröffnete Zweigstelle der Offenbacher Stadtbücherei im Stadtteil Lauterborn eine entscheidende Rolle.
Nur wenige Kilometer von der Carl-Ulrich-Siedlung entfernt, war sie per Fahrrad schnell zu erreichen und bot ihm erheblich größere Möglichkeiten sich Dinge auszuleihen und in sich aufzusaugen, als der Bücherbus, der jeden Dienstag in der Nähe seines Wohnblocks für drei Stunden Halt machte.Der Grund hierfür lag darin, dass es in Lauterborn als besonderes Extra eine Mediothek gab, die zu ihrer Eröffnung frisch mit den aktuellsten und progressiven Schallplatten, die man sich nur wünschen konnte, ausgestattet worden war. Keine Frage: ohne diesen Umstand hätte die musikalische Karriere eines Charly Davidson später gar nicht so stattfinden können. Er selbst hat es später in der bereits erwähnten NDR-Talkshow auf den Punkt gebracht:
»Das was ich sagen kann, jedem jungen Menschen nur dringendst anraten kann, ist: Du musst lesen, lesen, lesen und nochmals lesen. Und wenn in der Familie kein Geld da ist, um Bücher zu kaufen, dann rede dich nicht raus, sondern geh' in Büchereien und nutze sie. Nur das bringt dich auf andere Gedanken, entfaltet deine Phantasien, denn es ist der Schlüssel dazu, etwas aus sich zu machen. (...) Um es einmal auf den TV-Punkt zu bringen: Fernsehsendungen sind ja gelegentlich lehrreich, meistens aber, und da können sie mir sagen was sie wollen, geistige Umweltverschmutzung. Lesen jedoch ist Fernsehen für den Kopf und ist für die Seele das, was ein Spaziergang für den Körper bringt: Erholung. Eine Stunde Lektüre von „Alice im Wunderland“ und in deinem Kopf ist alles möglich. Alles!«
Die Zweigstelle der Stadtbücherei lag im Herzen der 1968 neu erbauten Wohnstadt Lauterborn und dort gab es Schallplatten der BEATLES und der INCREDIBLE STRING BAND, Alben von Frank Zappa und seinen MOTHERS OF INVENTION, solche von Kabarettist Hanns Dieter Hüsch und von Bob Dylan, Vinyl der Elektrobands TANGERINE DREAM, EMERSON LAKE & PALMER, KRAFTWERK, Alben von IHRE KINDER und BRÖSELMASCHINE und, das faszinierte Charly sehr, Platten von Marc Bolans Band TYRANNOSAURUS REX, bevor Bolan sie in T. REX umbenannt hatte. Zu sagen, dass diese Schallplatten den jungen Karl David Korff damals beeinflusst hätten, wäre eine bodenlose Untertreibung - nein: sie prägten sein weiteres Leben.(...) entstand 1972 einerseits Karl Davids Musikgefühl - Folkrrock-Musik mit elektronischen Elementen - und zeitgleich sein Drang, wortspielerisch ausgeflippte, skurrile Geschichten zu Papier zu bringen. Dadurch, dass er Bolan auf dessen Pfaden durch Zwergenwelten folgte, sich wie ein Salamander inmitten von baumhohem Gras versteckte, in zauberhaften Wäldern voller
Einhörner und Salamander herum streifte, in den sonnenumfluteten Pavillions an den Seen Abyssinias Drachen jagte, entdeckte er schließlich die Lyrik William Blakes, die Gesänge Hiawathas, Coleridges Xanadu und die Gedichte Walt Whitmans aus der Mitte des 19. Jahrunderts. Auf den Geschmack gekommen verschlang der 14-jährige nun auch noch jedes Science Fiction Buch, dessen er habhaft werden konnte, hörte Mike Heron und der UNGLAUBLICHEN STRING BAND zu und wurde ohne Zweifel durch diese Einflüsse zu einem weitsichtigen Träumer.Zu Weihnachten 1972 wünschte sich Karl David dann eine orange-schwarze Gebläse-Orgel, die gleiche Art, wie sie von Bolan und der STRING BAND gespielt wurden, er band Glöckchen an eine Schnur und ahmte so die Geräusche des Windspiels nach, die Bolan in seine Songs eingebaut hatte, er spielte auf dem Tambourin seiner Mutter und auf einer kaum noch funktionstüchtigen Mandoline aus dem Sperrmüll. Alles sollte so klingen, wie er es bei TYRANNOSAURUS REX, der ISB oder der BRÖSELMASCHINE vorgefunden hatte.
Die so entstandenen Cassettenrekorder-Aufnahmen hatte er dann nur fünf Jahre später als Zuspielaufnahmen für CHARLY DAVIDSON AND FRIENDS verwendet, sie aber auf dem Höhepunkt seines Erfolgs (...)
(...) Zeitgeist-Humus aus Folk- und Rockmusik, Hippiekultur, Elektromusikklängen, Marc Bolans Wort-Boogie
, den Klängen der BRÖSELMASCHINE, Licorice McKechnies feenhafter STRING BAND-Stimme, gedüngt mit Geschichten aus fernen Science-Fiction-Fantasy-Welten führte in seiner Gesamtheit dazu, dass einem in Wales geborenen Gymnasiasten mit guten Deutsch-, Englisch- und Elektronik-Kenntnissen, der einen weit gefächerten progressiven Musikgeschmack hatte, dazu noch gesegnet war mit ausbaufähigen musikalischen Fähigkeiten und einem Schädel voller ausgeflippter literarischer Ideen, die Welt zu Füßen lag, ohne dass dies irgend jemand ahnte, am wenigsten er selbst.Doch Karl David Korff sprang von seinem Balsaholz-Floß, verließ die Mondfähre und begann diese neue Welt zu betreten, sie für sich zu erobern. Zuerst noch durchaus zögerlich, denn Eroberer besaßen doch immer großartige Namen: Columbus, Roald Amundsen, Vasco Da Gama, Robert Falcon Scott, Marco Polo, Wernher von Braun, Thor Heyerdahl, Torstein Raaby. Das machte etwas her. Aber: Karl Korff oder „David, der Eroberer“? - Das ging nun überhaupt nicht und schrie geradewegs nach einer Lösung. Karli zermarterte sich seinen Kopf.

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