Donnerstag, 23. September 2010

A-SEITE / Song 6: The Spirit Of Germany

„Das alles ist Deutschland, das alles sind wir
Das gibt es nirgendwo anders. Nur hier, nur hier“

(Die Prinzen)

Mai 1964: Die BEATLES arbeiten gerade an ihrem ersten Film, als die Korffs das Vereinigte Königreich verlassen und in Deutschland, schräg gegenüber von Frankfurt am Main, auf der anderen Seite des Flusses, in einer Stadt namens Offenbach ihre neue Heimat finden. Im obersten Stockwerk eines Wohnblocks der Carl-Ulrich-Siedlung bezogen Karl David, seine Schwester Helen und seine Eltern eine kleine 2-Zimmer-Wohnung - ein Horror, wie er anlässlich seines 40. Geburtstags in der NDR-Talkshow „3 nach 9“ erzählte: »Mein „Brawdy Cottage“, meinen „Admiral Benbow“ und die ganze Landschaft drumherum, hatte ich geliebt und nun lebte ich wie in einem Ozeandampfer, eingesperrt, auf dem obersten Deck.«

Nur wenige Wochen später wurde Karl David Korff in die Humboldtschule eingeschult und erinnerte sich später daran, wie er als kleiner Junge mit seinem braunen Leder-Ranzen auf dem Rücken während seines einen Kilometer langen Schulwegs durch die Waldstraße (die schon damals so gar nichts mehr mit Wäldern und Bäumen zu tun hatte, sondern zu beiden Seite mit Fabrikgebäuden und Mehrfamilien-Wohnhäusern bebaut war),
durch das offen stehende Fenster einer Gaststätte „Can‘t Buy Me Love“ hörte.

Dieses Lied war der Beginn seiner persönlichen Zuneigung zu allem, das mit den Fab Four zusammen hing - eine Art von liebevoller Treue von Seiten Charlys, die später sogar dazu führte, dass er das berühmte
„ABBEY ROAD“-Album der BEATLES in George Martins Londoner „Air“-Studio re-mixen durfte; eine Empfehlung seines Freundes Lars Voreigner war dem (...)

(...) war Karl David Korff als Individuum eher unbedeutend für seine Mitschüler geblieben, aber langsam wurde er aufgrund seiner englischen Sprachkenntnisse ein kleiner Stern am gymnasialen Himmel, den die Schulleitung zum Beispiel einsetzte, als ein amerikanischer Austauschschüler namens Rob Archer ans Rudolf-Koch-Gymnasium kam. Dieser wiederum war für Jung-Charly doppelt interessant, erzählte Rob doch ständig von seiner süßen Heimat Alabama und dem nicht weit von seinem Heimatort entfernt gelegenen Hunstville, der „Rocket City“, wie Präsident Eisenhower die Stadt getauft hatte, in der Rob Archers Vater nun arbeitete. Mit seiner Mutter Ida war er für ein Jahr nach Deutschland gekommen, denn Ida Archer stammte aus Deutschland und hatte ihren Mann Jimmy 1958 in Zweibrücken als US-Armeeangehörigen kennengelernt. (...) Robby und Karl, der von Robby immer nur „Charlee“ genannt wurde, waren bald die besten Freunde, erwogen einen Moment lang, Blutsbrüder zu werden, belegten gemeinsam den Astronomie-Kurs und schauten sich abends durch Robbys Spiegelteleskop stundenlang den Sternenhimmel an. Nach dem Ende der siebten Klasse, das war im Juni 1969, musste Robby dann aber wieder zurück in die USA. Karl war wie gelähmt über den Verlust seines besten Freundes, man versprach sich zu schreiben, tat dies auch in den ersten Wochen und Monaten, dann jedoch mit stetig nachlassender Konsequenz und faktisch ab dem Sommer 1970 hatte Karl von Robby nichts mehr gehört, denn die Archers waren umgezogen und die neue Adresse nicht mehr feststellbar.

(...) alten Telefunken-Volksempfänger aus Bakelit wieder in Gang zu setzen. Er baute ihn auseinander, säuberte alle Teile akribisch, baute das Gerät wieder zusammen, schaute nach, welche Röhren nicht mehr leuchteten, wenn er den Strom einschaltete, hängte ans Schwarze Brett im Rudolf-Koch-Gymnasium eine Suchanzeige, bekam nach und nach die benötigten Röhren zusammen, baute sie ein, schaltete den Volksempfänger ein und ... er funktionierte.

In diesem Moment begann Karl David Korffs Leidenschaft für das Radiohören und Radiomachen. Der Volksempfänger funktionierte recht ordentlich und leistete ihm fortan gute Dienste. Nun konnte er auf Langwelle 153 kHz den DEUTSCHLANDFUNK hören, dessen Hitparadensongs er Sonntag für Sonntag wie ein Schwamm (...).

Neben Englisch war inzwischen die Deutsche Sprache Karlis Leidenschaft geworden und seinen Deutsch-Lehrer, Herrn Reichart, liebte er über alles. Reichert weckte in seinen Schülern jenes unstillbare Interesse an Literatur, ohne das sich eine spätere Lebenslinie voller Poesie und Prosa kaum erklären lässt.
Aber Reichart hatte natürlich auch einen Gegenspieler, der Peridón hieß, Mathematiklehrer war und Karl David Korff mit seinem „TT-Programm Bruchrechnen“ oft bis zur Weißglut quälte, damals, Ende der wilden 60er-Jahre.

Es war ja wirklich eine wilde Zeit, in die der Junge damals hineinwuchs: Studentenunruhen, die Niederschlagung des Prager Frühlings, der Besuch des Shah in Deutschland, der sozial-liberale Regierungswechsel in Bonn, der Vietnam-Krieg und die Hippie-Bewegung. Der verblühte Prager Frühling brachte neue Lehrer an deutsche Lehranstalten. Herrn Komarec zum Beispiel. Der war geflüchtet, wurde Karlis Musiklehrer und den anderen Quintanern Lieder wie „Camerada, Camerada“ bei oder „Dem Spender sei ein Trulala“ bei, das Charly Davidson später in seinen berühmten Anti-Kriegssong „(Da bin ich ja umsonst) Krepiert“ umtextete. So entstand um ihn herum der „Spirit Of Germany“; später gab Charly Davidson seinem Musikverlag eben diesen Namen.

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